Der „Halo-Effekt“

ist ein Phänomen, das sozialpsychologisch sehr gut erforscht ist und im Jahr 1907 erstmals beschrieben wurde.

Quelle: Wikipedia | Halo-Effekt

Wenn es um Produkte, ihre Eigenschaften und Inhaltsstoffe geht, scheiden sich auch in Friseurkreisen (Foren, Facebook-Fachgruppen, etc.) zuweilen die Geister.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass selbst viele Kollegen/innen lediglich auf einzelne Schlagworte ihrer Zulieferer, wie vegan oder tierversuchsfrei reagieren und dann gleichzeitig weitere positive Eigenschaften dem Produkt zuordnen.

Warum ist das so?

Hier kommt der sogenannte Halo-Effekt (Heiligenschein-Effekt) zum tragen.

Dieses sozialpsychologisch gut erforschte und im Jahre 1907 erstmals beschriebene Phänomen besagt, dass eine positive Eigenschaft alle anderen Eigenschaften überstrahlt.

Wie ein Heiligenschein überdeckt eine positive Eigenschaft die negativen Aspekte und verleitet uns zu Fehlurteilen.

So stellen manche Firmen gerne plakativ in den Raum, dass Ihre Produkte die positive Eigenschaft XY hätte und prompt werden dem Produkt weitere Eigenschaften zugeschrieben, die es gar nicht hat.

Diese „kognitive Verzerrung“, die auch gerne enger gefasst als „Greenwashing“ bezeichnet wird ist eine beliebte Marketingstrategie.

Nehmen wir beispielsweise den Begriff „vegan“ mit dem sich mittlerweile jedes zweite Unternehmen zu schmücken scheint.

Klingt prima, aber was sagt das denn tatsächlich aus? Es besagt lediglich, dass keine tierischen Inhaltsstoffe in dem Produkt enthalten sind und nicht, dass das Produkt ökologisch unbedenklich oder gar biologisch sei. Jede Silikonpampe, die mit Abfallprodukten der Erdölindustrie voll ist, ist „vegan“.

Also fallt nicht auf plumpe Argumente herein, sondern seid kritisch, werdet nicht zu Opfern der Werbeindustrie und hinterfragt die Aussagen der Hersteller!

In einer der beiden größten deutschsprachigen Facebook-Friseurgruppen hatten wir erst neulich wieder einen Test am Start mit der Frage nach einem Haaröl-Produkt, das keine Silikone, Polymere oder Polyquaternium enthält . . .  ergo kein Plastik oder sogar Mikroplastik.

Es ging sofort los mit Empfehlungen von Morroccanoil, Davines, sogar TIGi (autsch!), L’Oreal/Kerastase, Redken, Paul Mitchell, Kevin Murphy, Newsha, Schwarzkopf, GOLD Haircare, O’right, Organic Haircare, u.s.w.

Punkt 1) Weshalb sollte eine Person, die deren Haare mittels Fett geschmeidiger wirken lassen will, dazu nicht einfach eines der 4 optimal für Haare/Haarspitzen geeigneten, reinen Naturöle (Macadamia, Mandel, Jojoba, Argan) verwenden, wenn es ja definitiv das Fett ist, das sich um die Haare legt und es quasi versiegelt.

Zusätzliche Inhaltsstoffe machen das Haaröl-Produkt schon wieder schwerer und es beinhaltet Zutaten, die völlig sinnlos für den erwünschten Effekt sind . . . und korrekt verwendet, hält so eine Flasche reines Naturöl auch noch wesentlich länger als diese ganzen Haaröl-Produkte.

Punkt 2) Die meisten Chemie-Salonprodukte enthalten ebenso aggressive Billig-Industriereiniger wie ebenso auch irgendwelche Plastik-Sorten, krebsfördernde Duftstoffe,  u.s.w.  . . . und somit unterscheiden sie sich von den üblichen Supermarkt- und Drogerie-Chemiekeulen z.B. im wesentlich niedrigeren Wassergehalt und eben noch Spuren (oder auch teilweise mal etwas mehr) verschiedener Inhaltsstoffe, die definitiv auch etwas positives bewirken können.

Punkt 3) Haaröl-Produkte enthalten meist gerade die Mindestmenge eines natürlichen Öls, die dem Hersteller erlaubt, das Öl vordergründig mit in der Produktbezeichnung nennen zu dürfen.  Den Rest erledigen die Stoffe, deren Vorbilder in der Wirkungsweise ja definitiv die Öle sind  . . .  nämlich Silikone, Stoffe aus Silikonölen, Polyquaternium oder sonstige Polymere.

Von der Art der Wirkung her, sind diese Plastik-Sorten Öl-Nachbauten, denn genau so wie reine Naturöle wirken sie ja auch  . . .  sie legen sich um/an die Haare und bilden dort, ebenso wie auf der Kopfhaut, Ablagerungen/Anlagerungen.

Mit dem Unterschied zu reinen Naturölen, dass eben Silikone und die genannten Silikonersatzstoffe die Haare auf Dauer stumpf, kraftlos, teils auch fettend oder sogar spröde undbruchanfällig macht.

Und JA, richtig gelesen: Öle (=Fette) legen sich an/um die Haare und pflegen Haare auch nicht wirklich, sondern versiegelen sie lediglich und wer z.B. trockenes Haar hat, versiegelt mit Öl die Trockenheit . . .  die aber unter dem Öl weiterhin besteht.

Zum weit verbreitete grassierenden Ol-Wahnsinn in Punkto vermeintlicher Haarpflege bereiten wir gerade das nächste ausführliche Thema vor . . . es wird sehr interessant, vielen die Augen öffnen und zwischen dem 26.07. und dem 30.07. hier online erscheinen.